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Wer mich kennt, weiß wie leicht man mich mit Literaturverfilmungen locken kann. Ganz besonders, wenn sich diese in opulente Bilder fassen und von einem meiner Lieblingsregisseure umsetzen lassen. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis ich auf Stephen Frears "Chéri" (2009, nach dem gleichnamigen Roman von Sidonie-Gabrielle Claudine Colette) stoßen würde.



Optisch in den Prunk und Luxus der Belle Époque getaucht, erzählt der Film die Geschichte der ehemaligen Edelkurtisane Léa de Lonval (gespielt von der hinreißenden Michelle Pfeiffer), welche sich einen beachtlichen Wohlstand für den Herbst ihres Lebens gesichert hat, bevor sie sich aus dem Geschäft zurückzog. Von der oberen Gesellschaft gemieden, verkehrt sie lediglich in dem überschaubaren und zuweilen sehr beengenden Kreis ihrer ehemaligen, ebenfalls im Ruhestand befindlichen, KollegInnen. Daher verwundert es nicht, dass man sich die gepflegte Langeweile, die bei den Zusammenkünften in den pompösen Salons und Gärten herrscht, mit herrlich sarkastischen Wortgefechten und liebevollen Beleidigungen zu vertreiben pflegt.



Aufregend wird Léas Leben erst wieder, als sie sich auf eine Liebelei mit dem jungen und verwöhnten Sohn ihrer Freundin Madame Peloux (mit einer zum Niederknien derben Kathy Bates) einlässt. Mit der Zeit entwickelt sich aus der flüchtigen Affäre jedoch eine langjährige Beziehung, in der Léa ihr Herz an Chéri und sich selbst in ihren Träumen von ewiger Jugend, Schönheit und Liebe verliert. Das abrupte Ende kommt, nachdem Madame Peloux es sich zur Aufgabe macht, ihren Sohn mit der reichen und jungen Kurtisanentochter Edmée zu verheiraten: In dem naiven Glauben, beide Frauen haben zu können,  widersetzt sich Chéri nicht Wünschen seiner Mutter. Doch Léa ist zu stolz und zu gekränkt, um den jungen Mann mit einer anderen zu teilen.

 

Oberflächlich betrachtet mag der Film zuweilen sentimental erscheinen, unter der Dekadenz und dem Liebesgeplänkel werden jedoch ein sensibles Bild einer ziellosen Jugend entworfen, die von einem Vergnügen zum nächsten streunt, überaus flatterhaft und ohne jegliches Verantwortungsgefühl für das eigene Handeln. Auf der anderen Seite werden Portraits starker Frauenfiguren gezeichnet, die - jede auf ihre eigene Weise - mit dem Verlust ihrer Jugend und Schönheit und der sich ausbreitenden Einsamkeit fertig zu werden versuchen. Allein schon an der Gestaltung der Kostüme, kann man erkennen, welche Frau den Kampf gegen die Zeit bereits aufgegeben und sich in ihre Vergangenheit zurückgezogen hat, welche sich angepasst und welche sich dem Jugendwahn verschieben hat. Vor allem aber lebt "Chéri" von dem Charme, Biss und Witz der Dialoge.


2 Kommentare

Pony Hütchen said... @ 11 November, 2009 16:22

Herzlichen Glückwunsch! Du hast gewonnen! Schick mir doch wegen Adresse und Details kurz eine Mail an post@ponyhuetchen.com

PaintMyWorld said... @ 11 November, 2009 23:41

OMG, vielen, vielen Dank! Ich freue mich so sehr darüber!

PS: Mail ist unterwegs.

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